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Adventskalender 2020

4. Dezember 2020

Die Sage des Nürnberger Lebekuchens – Teil 1

  • Es ist nun schon viel hundert Jahre her, da hat in Nürnberg, der berühmten Stadt , ein dicker runder Bäckermeister gewohnt. Aber nicht nur aufs Backen verstand er sich, er war auch ein grundguter Kerl. Das Herz tat ihm immer weh, alle Jahre, wenn es auf Sankt Nikolaustag oder Weihnachten zuging.
    „Du liebes Christkind“, brummelte er, „was soll ich diesmal nur Leckeres backen, dass du es den Kindern bringst? Immer Brot und nur Brot und nichts als Brot, das geht doch nicht! Ach, was mach ich nur, ich armer, dicker, runder Bäckermeister?“
    Er besann sich hin, besann sich her. Dann aber – die Hagebutten wurden schon rot und die Haselnüsse braun und der Wind schüttelte die Kastanien von den Bäumen – kaufte er sich ein Notizbuch, packte seine Siebensachen und befahl der Katze, sie solle die Mäuse kurz halten, damit sie ihm nicht das ganze Mehl für die Weihnachtsbäckerei wegfräßen.
    „Denn ich will doch sehen, was es sonst noch zu backen gibt als Brot und immer noch mal Brot.“
    Er schloss die Tür hinter sich ab und wanderte hinaus in die Welt.
    Zuerst kam der dicke runde Bäckermeister nach Regensburg. Aber soviel er sich auch umschaute, hier gab es nur Brot und Regensburger Würstchen. „Nichts für mich!“ dachte er und machte, dass er nach München kam. Aber die Münchner Salzbrezeln, damit konnte er nun mal gar nichts anfangen. Zu Weihnachten Salzbrezeln? Das wäre ja noch schöner!
    So tippelte der dicke runde Bäckermeister weiter, immer noch war sein Notizbuch leer. Nach Frankfurt kam er, da machten sie nur Frankfurter Würstchen und Apfelwein. Sogar in der Kaiserstadt Aachen gab es die Aachener Printen damals noch nicht. Auch in Köln nur Käsebrötchen, die „halbe Hähne“ hießen, und nicht mal in Amsterdam backten die Leute Spekulatius.
    Aber der Bäckermeister ließ den Mut nicht sinken und wanderte ostwärts.
    Die große Stadt Berlin, ja, die stand damals noch gar nicht !
    Nur Wald und Sumpf. In dem Wald aber traf er einen uralten Einsiedler.
    Der lebte von Eicheln und Haselnüssen. „Am besten gehen sie mal nach Wien“, sagte der Einsiedler zu dem Bäckermeister.
    „Da soll`s Wiener Würstchen geben, fabelhaft!“
    Aber der dicke runde Bäckermeister hatte nun genug.
    „Es hilft alles nichts“, dachte er, „ich will lieber zurück nach Nürnberg!“
    Er wanderte einen Tag um den anderen. Da endlich kam er in die böhmischen und bayrischen Wälder.
    Als es Abend wurde und Nacht, traf er zum Glück auf ein Häuschen. Das stand tief unter den dunklen Fichten. Dicht neben dem Häuschen war ein großer, schwarz verräucherter Backofen. Oh, so etwas gefiel dem dicken runden Bäckermeister !
    Er klopfte bei dem Häuschen an, klopfte noch einmal und noch einmal. Da endlich wurde es lebendig drinnen.
    Die Tür ging auf, und darin stand eine uralte Frau, die krächzte: ”Mitten in der Nacht? Das sind mir ja feine Manieren !
    Ich bin nämlich die Waldfrau, und mit mir ist nicht gut Kirschen essen !”
    So schimpfte sie, fuchtelte mit ihrem Krückstock und wackelte mit dem Kopf.
    „Keine Angst, Mütterchen“, sagte der brave Bäckermeister. „Ich bin müde vom langen Weg. Ein Eckchen auf der Ofenbank habt ihr sicher für mich?”
    „Hunger hast du wohl auch?“ knurrte die Alte. „Scher dich! Ich hab nichts wie Lebkuchen und Pfeffernüsse, und du glaubst gar nicht, wie satt ich es bin, das süße Zeug!“
    Der Bäckermeister riss Mund und Augen auf. „Was habt ihr? Süße Lebkuchen und süße Pfeffernüsse? Sagt das noch einmal!
    „Du hast wohl Rattennester in den Ohren?“ giftete die Waldfrau. „Lebkuchen und Pfeffernüsse! Lebkuchen und Pfeffernüsse! Lebkuchen und Pfeffernüsse!“
    Dem Bäckermeister rollten vor Freude die dicken Tränen herab. „Dann ist ja alles gut, ich hab nämlich nur Brot“.
    „Was hast du?“ schrie die Alte, „bist du verrückt? Brot hast du? Ich weiß nicht einmal, was Brot ist! Sag, ist das süß oder sauer?“
    „Brot? Das ist mehr sauer“, sagte der Bäcker.
    „Sauer?“ rief die Waldfrau. „Sauer ist Brot? Oh wie lecker, wie lecker!“
    Und sie packte ihn bei der Hand und riss ihn mit in den Hausflur, dass er fast der Länge nach hingeflogen wäre.
    Bald aber saßen sie zusammen auf der Herdbank. Der dicke runde Bäckermeister kramte alles, was er zu essen bei sich hatte, aus der Tasche. Die Alte stopfte das Brot Brocken für Brocken in den Mund, schlang wie ein Wolf, schmatzte und schluckte.
    Und der Bäcker verdrehte die Augen vor Wonne und aß süße Lebkuchen und Pfeffernüsse.
    „Nun hab ich`s, wonach ich suchte“, sagte er „und brauche nicht mehr durch die ganze Welt zu rennen. Denn du, Waldfrau, sagst mir doch gewiss, wie man die Dinger mischt und mengt, buddelt und knuddelt. Und wieviel Zucker und Salz, Butter und Schmalz, Pfeffer und Zimt und was sonst dazu gehört. Dafür verrate ich dir das mit dem Brot!” Da freute sich die Alte, tanzte wie ein Brummkreisel im Häuschen herum, verlangte neues Brot, mampfte und pampfte, und zwischendurch wisperte sie dem Bäckermeister zu, wie man Lebkuchen und Pfeffernüsse backt.
    Der dicke runde Bäckermeister aber hatte bald sein Notizbuch vollgeschrieben und die
    Rezepte für sechserlei Brot der Waldfrau mit Kreide auf die Tür gekritzelt.
    Früh am Morgen dann wanderte er weiter und kam gerade heim, als es zu weihnachten anfing.
    Zu Hause war auch alles in schönster Ordnung. Die Katze war auf dem Posten gewesen, und die Mäuse hatten keine guten Tage bei ihr gehabt, gut und schneeweiß war das Mehl.
    Noch am selben Tag fing das Backen an: Lebkuchen und Pfeffernüsse und noch einmal Lebkuchen und Pfeffernüsse.
    Die Leute der Stadt Nürnberg waren sehr verwundert. Denn alle Abend, sowie es dunkelte, ging’s los, klingklang, durch alle Gassen.
    Das waren die Weihnachtsengel mit ihren Schlitten. Kam einer mit einem vollen Sack aus dem Bäckerladen, so hielt schon der nächste, brrrr!, sein Pferdchen an und stieg aus.
    Ein Duft aber nach süßem Backwerk und Engelsflügeln hing über der Stadt. Und tausend Heiligenscheine glitzerten blau, silber und golden durch den Schnee.
    Seht, so kamen die Nürnberger Lebkuchen und die Pfeffernüsse in die Welt und in jedes Weihnachtshaus.
    Das Märchen ist nun aus.
    (Wilhelm Matthiessen 1859-1936)

  • Meine Gedanken:
    Um Neues zu entdecken, müssen wir oft ganz schön mutig sein.
    So wie der Bäckermeister. Ohne seinen Mut – in die Welt hinaus zu ziehen, hätten wir niemals das geheime Rezept der Lebkuchen entdeckt.
    Ohne den mutigen Bäckermeister wüssten wir vielleicht heute gar nicht wie gut es schmeckt, wenn man Nüsse und Honig miteinander vermischt und in den Ofen schiebt.
    Es ist gut in seinem Leben immer mal wieder Mut zu zeigen.
    Jeder einzelne Lebkuchen kann dich daran erinnern: Hab Mut und geh deinen Weg um Neues herauszufinden!
    Hast Du vielleicht schon eine Idee, wo und wann du mutiger sein möchtest?

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Adventskalender 2020

3. Dezember 2020

Der Bauer und der Knopf

„Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel zu früh gekommen. Und verstand sich schlecht aufs‘ Warten.
Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.
Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: „Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an dein Wams. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.“
Er nahm den Zauberknopf und drehte: und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals: Und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: Wenn wir doch schon allein wären…Wenn unser neues Haus fertig wäre…Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlen uns noch die Kinder und drehte schnell an dem Knopf.
Dann kam ihm neues in den Sinn und konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, dass das Leben an ihm vorbei sprang, und ehe er sich’s versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Und merkte, dass er schlecht gewirtschaftet hatte.
Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, dass auch das Warten des Lebens wert ist. Und er wünschte sich die Zeit zurück.”

– Schriftsteller Heinrich Spoerl (1887-1955)

Meine Gedanken: 

Wir warten auf so vieles – gerade auf Weihnachten.
Wir warten aber auch darauf, dass Corona vorbei ist. 

Wir warten darauf, dass unsere Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. 

„Warten“ kennen wir also sehr gut und anders als der ungeduldige Bauer haben wir keinen Knopf, an welchem wir drehen könnten – wenn es auch noch so wünschenswert wäre. 

Stellt sich mir die Frage: Was machen wir statt dessen? Was tun wir während des Wartens? 

Da kommen mir ganz unterschiedliche Möglichkeiten in den Sinn, wenn ich über mich selbst nachdenke.
Ganz platt und schnell: ich nutze die sozialen Netzwerke oder schaue mir die neusten Nachrichten oder E-Mails an .
Denke ich über längere Wartezeiten nach, fallen mir längere Beschäftigungen ein: Küche aufräumen, Unterlagen sortieren, mit Freunden telefonieren.
Letztlich dient es immer dazu mich abzulenken und die Zeit des Wartens zu überbrücken – teils sinnvoll, teils weniger sinnvoll.
Mir fällt es leichter, wenn ich die Zeit mit etwas fülle.

Gerade befinden wir uns in einer Wartezeit, denn es ist Advent

Die Adventstage sind eine besondere Wartezeit – in diesem sowie in all den anderen Jahren. 

Manchmal stellte ich es mir so vor:
Der Advent ist ein kleines ältere Männchen mit grauen Haaren und einem dicken, kugeligen Bauch und einer Pfeife im Mund, das uns einlädt die Tage von Ende November bis zum Heiligen Abend besonders zu gestalten.
Das Männlein sagt zu uns: „Mach diese Tage vor Weihnachten zu einer außergewöhnlichen Zeit. Denn wir warten schließlich auf etwas Einzigartiges. Wir warten auf Weihnachten.“

Lassen wir uns von diesem kleinen Männlein einladen und machen wir diese Adventstage zu etwas Besonderem! 

Hast Du eine Idee für Dich?
Dann schreib sie hier auf – andere können davon profitieren! 

DANKE! – Deine Tina

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Adventskalender 2020

2. Dezember 2020

Dezember, Dezember ich träum von dir… 

Ein Lied als Impuls: 

Meine Gedanken:

Und heute ist schon der zweite Tag in diesem Monat. 

Das zweite Türchen geht bei all den Adventskalendern auf. 
Ist drin was du erwartest? 
Ist drin was du dir wünschst? 
Ist drin was du brauchst? 
Ist drin wovon du träumst?

Wovon träumst Du? 

Wir stehen noch am Anfang dieser Adventszeit. Erst eine Kerze brennt. Eine besondere Zeit – weil sie in diesem Jahr ruhiger und besinnlicher sein kann als all die anderen Jahre.
Wir können in Ruhe Plätzchen backen, den Duft aller Zutaten mit allen Sinnen erleben.
Wir könne die flammenden Kerzen am Adventskranz friedlich beobachten und unsere Gedanken schweifen lassen.
Wir haben die Chance ruhig zu werden, zu überdenken wovon wir träumen.

Nehmen wir diese Zeit als Geschenk – trotz der Befürchtungen, der Ängste und der vielleicht unerfüllten Wünsche.
Nehmen wir diese Zeit erst recht als Geschenk um uns unseren Träumen zu widmen.
Ich lade uns ein zu träumen – weil es uns die Zeit ermöglicht!

Wovon träumst Du? 

Trau dich die Träume zuzulassen, sie zu betrachten und Ideen zu spinnen, wie du sie umsetzen kannst. 

Wenn Du willst, schreib mir wovon Du träumst. 

Ich freue mich von Dir und deinen Träumen zu lesen: 

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Adventskalender 2020 News

1. Dezember 2020

Die Halle der Welt mit Licht erfüllen
Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger bestellen. Er versammelte die Weisen seines Landes und rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: „Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache.“ Die Weisen sagten: „Das ist eine gute Aufgabe.“ Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. Er dachte sich: „Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen.“ Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: „Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach’ mich zu deinem Nachfolger.“ Der Vater antwortete: „Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.“ Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein. Der Vater sagte: „Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen.“

– Märchen aus den Philippinen.

Meine Gedanken dazu:
Ganz schön clever wie der jüngere Sohn des Königs agierte. Eine einfache Kerze hat er besorgt und in die Mitte der Halle gestellt um die Halle mit Licht zu füllen.
Ob er wohl gewusst hat, dass er damit zum Nachfolger des Königs werden wird?
Ich denke nicht. Gehofft hat er es wohl. Sich gewünscht? Bestimmt auch.
Doch von diesem Gedanken oder dem Wunsch hat sich nicht bestimmen lassen.
Statt dessen hat er nach einer sinnvollen Lösung gesucht um ans Ziel zu kommen.
Der junge Prinz sich auf die Aufgabe und nicht auf die Belohnung konzentriert hat. Damit hatte er seinem großen Bruder einiges voraus.
Er hat sich nicht von dem Bedürnis übermannen lassen, unbedingt König werden zu wollen, sondern hat die Aufgabe und die damit gesuchte Lösung in den Mittelpunkt gestellt.
Genau das können wir von diesem jungen Prinzen lernen:
Nicht das eigene Bedürfnis in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Aufgabe um eine Lösung zu finden.

Hast Du momentan eine Aufgabe für die du einen Lösung brauchst?

Dann ermuntere ich dich: guck dir die Aufgabe genau an. Überdenke alle möglichen Lösungsversuche, werde dabei kreativ und wenn nötig: hol dir jemand anderen zur Unterstützung ins Boot!

Wenn du willst: Schreib mir – ich bin da:

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